Messerschmitt Me 210 A-1 „Nightfighter“

Bilek 937 - 1/72

Das tschechische Groß- und Einzelhandels-Unternehmen Vaclav (Wenzel) Bileks wurde schon bald nach der Wende, d.h. bereits 1990, in Prag gegründet. Neben einem großen Verkaufsladen betreibt er auch noch einen Internet-Versandhandel mit allen möglichen Artikeln die der Plastikmodellbauer so braucht. Daneben ist "Bilek Hobby" wie die Firmenbezeichnung lautet gleichzeitig noch der exklusive Generalimporteur einiger namhafter Hersteller von Plastik-Modelbausätzen für die Tschechische Republik. Gleichzeitig liefert dieses Handelshaus aber auch etliche 1/72 Flugzeug-Plastikbausätze unter seinem eigenen Label aus.

Der Ursprung dieser Modelle, oder besser deren Formen, ist für den informierten Modellbauer in der Regel unschwer ersichtlich. Interessanterweise macht der Firmeninhaber auf seiner Homepage auch absolut keinen Hehl daraus bzw. gibt sogar explizit die betreffenden Hersteller an. Bei uns in Deutschland sind Bilek Bausätze eher selten anzutreffen, was hauptsächlich an der Preispolitik liegen dürfte. Bedauerlicherweise kosten die Kits nämlich genauso viel oder sind sogar noch teurer als die Originale.

Fairerweise muss allerdings aber auch gesagt werden, dass oftmals Gussrähmchen mit zusätzlichen Teile (wie z.B. Außenlasten etc.) beigepackt werden und manchmal sogar Photoätzteile enthalten sind. Es gibt also durchaus Unterschiede zum Originalbausatz, zumal auch stets Abziehbilder für andere Vorbild-Maschinen geliefert werden. Ferner sind aber einige Bausätze (vielleicht nur vorübergehend?) vom ursprünglichen Hersteller gerade nicht lieferbar, wodurch die Bilek-Kits also in einigen Fällen die richtige Wahl darstellen.

Wie erwähnt, stellt das Erkennen der Formen-Herkunft bei Bilek überwiegend kein Problem dar. Im Falle der hier besprochenen Me 210 allerdings schon. Die meisten Kaufinteressenten gehen nämlich wahrscheinlich davon aus, dass es sich hierbei eigentlich nur um den Italeri-Bausatz handeln könne. Es gibt zwar zum Baukasten aus Prag einige Gerüchte auf diversen Modelbauer-Foren, die mich aber irgendwie alle nicht überzeugen konnten. Deshalb habe ich mich einfach an Herrn Bilek gewandt, der mir (allerdings erst auf Nachfrag) erklärte, die Formenherkunft sei leider Betriebsgeheimnis, es handle sich aber um eine in Tschechien entstandene Gussform.

Letztlich ist es egal woher die Form stammt oder von welchem Fremd-Hersteller sie seinerzeit kreiert oder in Auftrag gegeben wurde. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach immer noch deren Güte und das Preisleistungsverhältnis eines Kits. Gerade in dieser Beziehung überzeugt dieser Bausatz vollkommen! Stellt er doch eine echte Alternative zum, meiner Meinung nach, stellenweise ein klein wenig schlicht ausmodellierten Italeri-Kit dar.

Dies wird besonders deutlich wenn man den vorliegenden „Besatz“ an Oberflächendetails der Bilek- Me betrachtet. Sind die Vertiefungen auch nicht vollkommen scharfkantig in dem (auch hier verwendeten) grauen Kunststoff eingelassen, also leicht „verwaschen“, so gibt es immerhin mehrere Nietendarstellungen entlang von Klappen und Tankdeckeln auf der Tragflächenober- wie -unterseite. Rumpf und Leitwerk sind in etwa mit dem italienischen Modell vergleichbar. Bedauerlicherweise sind aber einige Trennfugen bzw. Gravuren sowie leider auch ganze Objekte nicht vollkommen richtig platziert. Es bleibt also ein bei Beiden merklicher Abstand zum für diesen Typ in 1/72 Maßstab-setzenden Fine-Molds-Kit, den es auch von Eduard gibt, bestehen.

Andererseits hat man hier eine Me 210 vorliegen, welche ja in einigen Details von der Me410 abwich. Zusätzlich bietet die Fa.Bilek mehrere Baureihen der 210 an, wobei man eine sogar als „Bf 210 „bezeichnet! Wie dem auch sei, solange es keine größere Auswahl an diesen beiden interessanten Luftwaffen-Typen in 1/72 gibt, ist die das hier besprochene Modell sicherlich guter Durchschnitt. Nur Cockpit, Fahrgestell, und Räder wären bei dieser - vielleicht ein ganz klein wenig zu wuchtig geratenen - Me als etwas einfach ausgefallen zu klassifizieren. Auch die Tatsache, dass es sogar Klarsichteile für ein Revi sowie zwei Sitzkissen-Nachbildungen gibt, reißt das Modell nicht raus.

Die Triebwerksabdeckungen an den Motorengondeln sind vollkommen glatt, womit auch sie etwas nachbearbeitet werden sollten, wenn man näher an Fine-Molds gelangen möchte. Die Kabinenhaube ist auch geöffnet darstellbar. Allerdings war bei meinem Exemplar die Materialoberfläche der Scheiben nicht immer plan, was zu optischen Verzerrungen führt.

Die Abziehbilder sind in Ordnung aber auf Nostalgie-Niveau, da es außer Balkenkreuzen und Kennzeichnungscodes nichts gibt, wenn man vom Hoheitszeichen (in Einzelteilen) fürs Seitenleitwerk absieht.

Fazit: Abschließend besehen hat man es hier mit einem ordentlichem Bausatz zu tun, der wenn man ihn wie ich günstig ersteigert hat, in jedem Fall, eine solide Basis auf dem Weg zu einer guten Me 210 darstellt. Übersteigt sein Preis den des Italeri-Bausatzes wird es allerdings zur Ansichtssache, für welches Modell man sich letztlich entscheiden soll. Ich halte beide für nicht schlecht und denke, dass man ruhig auch der raren Bilek eine Chance geben sollte. Zumal nach meiner Erkenntnis einiges dafür spricht das man es hier, in Wirklichkeit, vielleicht mit einem frühen Dragon-Bausatz zu tun haben könnte. Was bestimmt kein Minuspunkt wäre!

Zdenek Nevole (November 2011)