Reggiane Re. 2000 (für Classic Airframes)

Extratech EX 48042 - Ätzteile 1/48

Da in deutscher Sprache nicht besonders viel zur Reggiane Re 2000 nachlesbar ist, habe ich mir mal die Mühe gemacht, etwas zusammenzustellen.

Historisches: Obwohl es für die Ausschreibung eines Jagdflugzeug der Regia Aeronautica, der “Generazione Intermedia” bzw. 0-Serie, entworfen worden war, hatte die Re. 2000 mehr Erfolg im Ausland als in Italien. Der Entwurf der Reggiane Re.2000 Falco (Falke) wurde sicherlich durch die Republic P-35 von Alexander Severski inspiriert, denn der Chefkonstrukteur der Officine Meccaniche Italiane di Reggio Emilia (ein Betrieb von Caproni), Ing. Longhi, hat längere Zeit in den USA studiert und gearbeitet. Die Herstellung forderte auch eine völlig neue Herangehensweise an den Flugzeugbau und neue Fertigungsverfahren, speziell in der Aluminium Be- und Verarbeitung, was eine Neuausrüstung des Werkes erforderlich machte.

Der erste Prototyp flog am 24.05.1939 mit Pilot Mario DeBernardi am Steuer und hatte ausgezeichnete Handhabungs- und Flugeigenschaften. Die Flugzeug war ein Tiefdecker mit einziehbarem Fahrwerk. Die Re. 2000 hatten eine Höchstgeschwindigkeit von 520 km/h und eine Dienstgipfelhöhe von 10500m. Die Bewaffnung entsprach mit 2 MG im vorderen Rumpf und einer nicht unerheblichen möglichen Bombenlast an Flügelracks dem Üblichen. Eine große Schwäche war der Motor, ein Piaggio P.XI R.C.40 Sternmotor, der zwar etwa 1000 PS versprach, aber unzuverlässig war und unter Konstruktionsmängeln litt. Jedoch zeigte sich in Vergleichsflügen gegen die Fiat Cr.42 und die Bf 109E, dass die Re.2000 offenbar manövrierbarer war. Allein diese Aussage sagt viel über die grundsätzliche Auslegung der Piloten der RA: “Mit dem Wind im Gesicht schönen Kunstflug vorführen.” --- also noch nichts mit “speed and altitude”. Die Regia Aeronautica lehnte dieses Jagdflugzeug wegen des Fehlens eines selbstdichtenden Flügeltanks und der damit verbundenen Verwundbarkeit ab. Den Kontrakt erhielt somit Macchi mit seiner Mc.200. Reggiane verkaufte aber 70 Flugzeuge nach Ungarn (zzgl. der Lizenzfertigung bei MAVAG) und auch Schweden erhielt 60 Exemplare. Angeblich war auch Großbrittanien am Kauf ettlicher Maschinen interessiert und nach der Quelle (DiTerlizzi) scheiterte es an Deutschland, die bereits mit GB im Krieg standen, jedoch sollte nicht vergessen werden, dass das Vereinigte Königreich und Italien bereits koloniale Interessenkonflikte hatten, wie z.B. in Ostafrika.

In Italien wurde Reggiane nur der Bau von 5 Testmustern gestattet (bezahlt?), zuzüglich des bereits fertiggestellten Prototypen. Zur Erprobung wurde eine Einheit aufgestellt, die der 23. Gruppo des 3.Stormo unterstellt war und von Capitano Pietro Callistri geführt wurde. Die Einheit musste an den Kämpfen um Malta teilnehmen und operierte von Comiso aus. Das Einsatzspektrum umfasste eigentlich alles vom Langstrecken-Begleitschutz bis zum Bodenangriff auf Maltas Flugplätze mit Bordwaffen und Bomben. Das Triebwerk blieb jedoch der Schwachpunkt und nach einigen technischen Ausfällen, wurden die Maschinen zurück ins Werk überführt. Hier erfolgte ein Umbau auf die verbesserte bis-Version bzw. die Langstreckenvariante G.A.

Die Situation in Ostafrika erforderte eine Verstärkung der Kräfte. Für die Überführung benötigte man Flugzeuge mit großer Reichweite und so wurden die vorhandenen Maschinen und 12 weitere aus der Fertigung für Ungarn und Schweden abgezweigte Flugzeuge für diese Mission vorbereitet. Jedoch wurden die Flugzeuge nicht mehr rechtzeitig fertig, und so wurden die Maschinen der 377. selbständigen Staffel zugeteilt, welche von Palermo aus operierte. Hier erzielte eine Re. 2000 auch den einzigen Luftsieg dieses Musters unter italienischer Flagge über eine Blenheim. Im September 1942 endete der Einsatz. Jedoch hatte die italienische Marine 12 Flugzeuge für den Katapultstart (Serie II) bauen lassen, als Aufklärer und Beobachter. Der ersten Prototyp flog am 21.05.1941. 2 wurden auf dem Schlachtschiff Roma, 2 auf der Vittorio Veneto und eines auf der Littorio (später Italia) stationiert.

Die schwedischen Re.2000 diente als J-20 bis 1945. Auch hier wurde das Triebwerk als Hauptmangel angesehen. Ungarn verwendete die Re.2000, genannt Heja (Habicht) mit guten Resultaten. 70 wurden in Italien gebaut und Ungarn produzierte weitere in Lizenz, wovon 200 mit dem MW 14B Sternmotor, einer ungarischen Lizenzproduktion des Gnome Rhône K14, ausgerüstet wurden.





Modell: Nur ein paar Worte zum Classic Airframes Bausatz. Diese ist eines der recht frühen Modelle von "Uncle Jules" wie er bisweilen im Hyperscale Forum genannt wird. Eigentlich werden die Modelle von Beginn an in Tschechien produziert (allerdings mit wechselnden Produzenten). Die jüngeren Modelle wie die Buffalo sind hervorragend gemacht und obwohl noch immer "Short run" - sprich Kleinserie - sind sie recht einfach zu bauen. Dieser Kit ist es nicht. Ich hatte bisher mit allen CA Kits, die ich mir geleistet habe, so meine Probleme ... deshalb ist die Re. 2000 ja auch noch nicht fertig und verträgt sehr gut noch den schönen Ätzteilbogen von Extratech. Das Heft von Maurizio DiTerlizzi enthält übrigens auch einen großen Abschnitt zum Bau und zur Farbgebung des Modells! (Kaufempfehlung)



Ätzteile: Dieser neue Bogen von Extratech befasst sich hauptsächlich mit dem Cockpit, jedoch sind auch einige Teile für das Fahrwerk und den Motor vorhanden. Die sehr schön detaillierten Teile sind größtenteils zur zusätzlichen Verfeinerung einzusetzen, aber einige (wie die Fahrwerksklappen) ersetzen auch zu grob geratene Bausatzteile. Da CA ja einige Bausätze verbessert wieder auflegt, kann man hoffen, dass die Re 2000 mal dabei sein wird. Ansonsten bleibt einem ja noch ebay oder Ähnliches, man sollte jedoch nicht zu viel für das "gute" Stück ausgeben.

Fazit Sehr schöne Ätzteile und auch der Preis ist in anbetracht der Konkurrenz noch sehr gut.

Steffen Arndt, Schwerin

Reggiane Re 2000 Falco, Heja, J.20 (Aviolibri Special numero 6) Maurizio Di Terlizzi; IBN Editore 2002; ISBN: 8886815816
Hungarian Aces of World War 2 (Aircraft of the Aces 50) György Punka; Osprey Publ. 2002 ISBN: 1841764361