Messerschmitt Me 410 "Hornisse"

Frog F.179 - 1/72

Vorbild: Noch bevor die eigentliche Serienfertigung der Bf 110 richtig angelaufen war, verlangte die Luftwaffenführung von der Messerschmitt AG schon die Konstruktion eines weit leistungsfähigeren Nachfolgers. Offenbar glaubte man, aufgrund der in Luftwaffe-Kreisen damals noch ungebrochenen Zerstörer-Euphorie, ohne diese Maßnahme den auf diesem Sektor bestehenden Technologie-Vorsprung verlieren zu können. Und tatsächlich schien das bereits sehr kurz nach Kriegsbeginn eingeflogene neue Flugzeug, zumindest äußerlich, wirklich einen großen Sprung nach vorne zu bedeuten. Denn außer dem Doppelleitwerk schien nichts mehr an seinen Vorgänger zu erinnern. In Wirklichkeit verfügte der aerodynamisch anspruchsvoll und zugleich recht neuartig gestaltete Tiefdecker, der schon bald ein einfaches Leitwerk erhielt, allerdings über dermaßen schlechte Flugeigenschaften, dass es noch bis 1941 dauerte, bis eine überarbeitete Version in Serienfertigung gehen konnte. Diese war allerdings immer noch nicht vollkommen ausgereift.

Pikanterweise war es Willy Messerschmitt selbst, der aufgrund seiner Vorliebe für den Leichtbau seinerzeit den Hinterrumpf hatte zu schwach dimensionieren lassen, da er gegenüber den ursprünglichen Entwurf Marialeinsparungen erreichen wollte. Dies erwies sich aber bereits in der Testphase als fataler Fehler, weshalb es in der ersten Zeit immer wieder zu Unfällen und Abstürzen kam. Neben weiteren Änderungen musste schließlich der Rumpf verstärkt und verlängert werden. Wegen der unrühmlichen Ereignisse hatte allerdings sehr bald nicht nur der neue Zerstörer Me 210 seinen schlechten Ruf weg, sondern beinahe die gesamte Firma Messerschmitt. Ganz zu schweigen vom persönlichen Prestigeverlust des Namensgebers, der aufgrund dieser Angelegenheit sogar von seinem Posten im Aufsichtrat zurücktreten musste.

Dennoch gelang es durch kontinuierliche Verbesserungen allmählich alle Probleme zu beseitigen und den von einer unabhängigen Kommission angeordneten Baustopp aufzuheben. Allerdings hatte man mittlerweile mit der Produktion von Me 410 Maschinen begonnen, die äußerlich mehr oder minder nachgebesserten 210ern entsprachen, von denen zwischenzeitlich auch einige in Ungarn bei den sog. "Donau-Werken" in Lizenz entstanden waren. Ein geplantes 310-Modell war aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen inzwischen wieder verworfen worden.

Das nunmehr ausgelieferte "neue" Mehrzweckflugzeug mit dem Beinamen "Hornisse" begann sich ab der Kriegsmitte erwartungsgemäß in verschiedenen Einsatzrollen zu bewähren und konnte sowohl als schwerer Jäger wie auch als leichter Bomber sowie Aufklärer (etc.) tatsächlich bald respektable Leistungen vorweisen. Jedoch gelang es der Firma Messerschmitt niemals vollständig, den schlechten Ruf des Vorgängers, der in geringer Stückzahl noch eine Zeit lang weitergebaut wurde, ganz abzuschütteln. Die große Variabilität von nicht weniger als 140 verschiedenen Varianten, welche die Me 410 innerhalb ihrer Bewaffnungsoptionen bot, dürfte im zweiten Weltkrieg wohl unerreicht geblieben sein.

Der hier vorliegende Frog-Bausatz wurde lange Zeit sowohl in den USA, als auch von Bünde aus von Revell angeboten. Bekanntlich hatte diese sofort nach der Schließung der Fa. Frog in Großbritannien, neben einigen andern Flugzeugmodellen, hauptsächlich Gußformen von deren Luftwaffentypen aufgekauft und anschließend sofort mit der Weiterproduktion dieser Bausätze begonnen. Oftmals erscheinen diese sogar noch mit identischen Deckelbilden der originalen Frog-Schachteln, nunmehr freilich aber unter dem Revell-Firmenlogo.

Da die vielen Ex-Frog-Modelle zweifelsohne eine große Bereicherung für das Angebotssortiment von Revell darstellen, wundert es nicht, das es manche - wie eben auch dieser hier vorgestellte Me 410-Bausatz - sogar schafften lange genug im Sortiment zu verbleiben, um auch in der noch heute verwendeten blauen Schachtel angeboten zu werden.

Ungefähr um die Mitte der neunziger Jahre verschwand dann aber auch dieser Bausatz endgültig aus den Regalen, um nachfolgend durch einen weit jüngern Kit einer Me 210, der in Lizenz der Fa. Italeri hergestellt wurde, ersetzt zu werden. Auch dieser Baukasten is bereits jahrelang nicht mehr im Sortiment des größten deutschen Herstellers aufgetaucht. Folglich wäre es vielleicht mal wieder an der Zeit, diesen Frog-Kit wieder neu aufzulegen. Abgesehen davon, das eine Wiederauflage oft weit günstiger als eine Lizenz kommt, ist es wirklich höchste Zeit dieses imposante Kampfflugzeug der ehemaligen deutschen Luftwaffe endlich wieder (zu einem vernünftigen Preis) anzubieten. Zumal der nicht gerade billige Fine-Molds Bausatz einige Ungereimtheiten innerhalb der Dimensionierung der Motorgondeln usw. Aufweist, welche beispielsweise auch Rolf Blattner in seinem diesbezüglichen Baubericht auf der österreichischen IPMS-Webseite aufdeckte.

Allerdings stünde den Marketingstrategen in Bünde auch noch die Neuauflage eines dem Frog-Kit sehr ähnlichen Matchbox-Modells zur Auswahl. Da mittlerweile auch alle ehemals ursprünglichen Lesney-Gußformen längst schon zu Revells Bestand gehören. Aber nun wieder weg von all den Spekulationen und zurück zum vorliegenden Bausatz.

Dieser Frog-Baukasten zählt eindeutig zu den besseren Produkten jener untergegangenen Firma, obgleich es noch keine handelsüblichen Gußrahmen gibt, sondern einfach nur einige dickere Angußstege. Gab es an solcherart gespritzten Frog-Bausätzen bei anderen Flugzeugen noch separate Propeller und Spinner, sowie Klarsichteile für den Landescheinwerfer, fehlen sie hier leider. Allerdings gibt es aber dennoch schon eine kleine Fuge an der Stelle wo die Blätter der Luftschrauben den großflächigen Spinner verlassen! Außerdem besitzt dieser Bausatz recht viele erhaben dargestellte Oberflächendetails und Nietenreihen, was für Frog-Produkte, wie bekannt sein dürfte, eigentlich eher untypisch war. Die Mehrzahl dieser Panellines, Nietenköpfe und anderer Objekte wie Umrandungen von Tankklappen usw. wirken stimmig, obwohl alle Nietenzähler sicherlich sofort einige Abweichungen in diesen zum Teil etwas übertrieben hervortretenden Ausprägungen bemerken werden. Selbstverständlich war das in Recessed-Panel-Bauweise gespritzte Italeri Modell in dieser Hinsicht weit authentischer, wohingegen beim Matchboxkit viele Details erst gar nicht eingraviert worden waren und alle restlichen Fugen recht breit und tief geraten waren.

Da es aber auch den Italeri-Baukasten momentan (vielleicht nur vorübergehend?) nicht gibt, sollte man die auffälligere Oberflächenstrukturierung ruhig in Kauf nehmen, zumal man sie individuell etwas tiefer schleifen kann, wenn man will. Für denjenigen der seine Tarnbemalung klassisch mit selbst gemischten Farbtönen und mit dem Pinsel auftragen will, kann diese erhabene Detaillierung nur vorteilhaft sein. Vor allen dann, wenn eine selbst zusammengemixte RLM-Lack-Nr. etwas zu dickflüssig ausfallen sollte.

Die Teile-Anzahl stellt mit 81 Stück sicherlich auch heute noch ein ordentliches Maß dar, wenn auch die beweglich gedachten Ruder-Flächen eine gewisse Anzahl an Einzeltteilen beanspruchen! Erwartungsgemäß sind die drei Kabinenhauben-Teile nicht kristallklar sondern neigen wegen ihrer übermäßigen Wanddicke zur optischen Verzerrung. Allerdings ist das Verstrebungsmuster recht vorbildähnlich und sauber ausgeformt worden. Allzu tiefe Einblicke in das nicht existente Cockpitinnere sind ohnehin nicht sinnvoll. Außer zwei sehr kleinen Jetpiloten mit amputierten Fußspann, die auf niedrigen PKW-Schalensitzen hocken, welche wiederum aus einem glatten Fußboden ragen, ist absolut nichts vorhanden. Zumindest die in den für diesen Typ signifikanten Barbetten eingebauten MG-Nachbildungen gehen leidlich in Ordnung. Die BK-5 dürfte in Wirklichkeit wohl etwas anders ausgesehen haben. Allerdings ist ihr Vorhandensein positiv zu bewerten. Auch sonst überwiegen die guten Merkmale bei diesem ordentlichen, gratarmen und soliden, sowie auch noch vollkommen anfängertauglichen Bausatz eindeutig. Somit könnte man ihn eigentlich ganz weit auf die Neuheiten-Wunschliste für 201? setzen. Bliebe als Fazit abschließend nur, dass dieser fromme Wunsch schon bald von Bünde erhört werden möge.

Zdenek Nevole (August 2011)