Breda Ba.65 mit Fiat A.80 RC.41 Motor

Special hobby SH48053 Multimedia - 1/48

Vorbild: Die Breda 65 Nibbio (Habicht) war ein einmotoriges italienisches Erdkampfflugzeug von 1935 das sowohl im Spanischen Bürgerkrieg als auch in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs zum Einsatz kam. Die Breda Ba.65 flog erstmals im September 1935. Für die damalige Zeit stellte die auf einem Konzept von Colonello Mecozzi basierende Maschine ein fortschrittliches Konzept dar: Ein zweisitziges Schlachtflugzeug, das mit Bordwaffen und leichten Bomben Ziele an der Front oder direkt dahinter angreifen sollte, ähnlich wie es die sowjetische Luftwaffe später mit der Il-2 verwirklichte. Die italienische Maschine jedoch litt darunter, dass die italienische Motorenindustrie kein Triebwerk mit ausreichender Leistung zur Verfügung stellen konnte. Insgesamt wurden 281 Maschinen bei Breda und Caproni hergestellt (davon 16 Exemplare der Nullserie).

Es stellte sich schnell heraus, dass die Maschine mit maximaler Bombenzuladung kaum abheben konnte und selbst mit reduzierter Ladung sehr schwer zu fliegen war. Aus Gewichtsersparnis wurde der Geschützturm für den Bordschützen durch einen offenen Stand ersetzt. Grundsätzlich jedoch war die Ba.65 leicht zu fliegen, nur eben zu schwach motorisiert.

Dreizehn Maschinen davon gingen direkt in den Spanischen Bürgerkrieg, weitere elf wurden als Ersatzmaschinen geliefert. Die Maschinen nahmen dort an den Schlachten von Teruel und Santander für die Nationalisten Francos teil. Die Ba.65 wurde allerdings meistens als Jäger eingesetzt, um die von der Sowjetunion gelieferten SB-2-Bomber abzufangen. Die italienischen Jäger Fiat CR.32 waren zu langsam dafür. Deshalb flogen die Ba.65 in Spanien ohne Heckschützen und ohne Bombenschacht. Später wurden sie jedoch wieder in ihrer ursprünglichen Rolle eingesetzt.

Als Einsitzer bewährte sich die Maschine, so dass ab 1939 alle italienischen Ba.65 nur noch als Einsitzer geflogen wurden. Die Produktion wurde allerdings bereits im Juli 1939 eingestellt. Es war vorgesehen, die Ba.65 nur zur Überbrückung bis zur Einführung des Nachfolgemodells Breda Ba.88 einzusetzen. Die Maschinen sollten eigentlich 1940 verschrottet werden. Da sich die Ba.68 jedoch im Gegensatz zur Ba.65 als eine Fehlkonstruktion erwies, wurden am Anfang des Zweiten Weltkriegs die Ba.65-Maschinen nach Nordafrika verlegt.

Bis Frühjahr 1941 leisteten die Maschinen in ihrer ursprünglichen Rolle als Tiefangriffsflugzeug gute Dienste. Die Verluste durch Flakfeuer waren sehr hoch, aber andererseits waren britische Jagdstaffeln über Nordafrika zu dieser Zeit noch mit veralteten Gloster Gladiator ausgerüstet, die langsamer waren als die Ba.65. Bis zum Februar 1941 waren die meisten Maschinen entweder im Kampf verloren gegangen oder nicht mehr einsatzbereit. In der Cyrenaika wurden viele Maschinen als Wracks zurückgelassen und später jedoch flugunfähig von den Engländern erbeutet.

25 Maschinen wurden 1938 an den Irak verkauft. Bei dem Militärputsch im Jahr 1941 wurden diese mit geringem Erfolg gegen die britischen Truppen im Land eingesetzt. Chile kaufte zwanzig Maschinen und Portugal zehn Stück. Interessanterweise erwarb sogar die Sowjetunion zehn Exemplare dieses Typs, die allerdings nur erprobt wurden.

Das Modell war bereits eine längere Zeit angekündigt und eigentlich hatte ich gehofft beim Besuch von Jean-Luc Formery und mir im Juni schon mal einen genaueren Blick auf das Modell werfen zu können. Zu dem Zeitpunkt befand es sich aber noch in der Optimierung. Dieser Bausatz ist mal wieder ein wirklicher Multimedia Bausatz von Special Hobby. Neben 3 grauen und einem klaren Plastikrahmen finden sich auch Resin und Fotoätzteile in dem firmentypisch gestalteten Stülpkarton. Natürlich liegen auch Abziehbilder für 3 Bemalungsvarianten bei.

Gleich Vorab der Hinweis, dass es sich hier - bei aller Qualität um einen Short-run Bausatz handelt. Es ist also während des Baus ein erhöhtes Maß an dafür typischen Problemen, Trockenpassen und Schleifen zu erwarten. Dass heißt auch, das es nur wenige Passstifte gibt und der Modellbauer an einigen Stellen nachhelfen werden muss.

Nun also zu den Plastikteilen. Diese sind erfreulich scharf und tief graviert und auch die Oberfläche ist sehr glatt. Die Klarteile sind auch dies. Die Passprobe des Rumpfes zeigte eine Übereinstimmung die Hälften sind also gleichlang und passen perfekt zueinander. Das Seitenruder ist etwas wenig definiert, d.h. die Nahtstellen sind genau solche Gravuren, wie die Blechstöße. Wer will, kann dies ja nachdetaillieren. Alle Steuerflächen sind in neutraler Position dargestellt und müssen für eine eventuelle Auslenkung ausgesägt werden.



Das Cockpit und die Fahrwerksschächte enthalten eine schöne Gitterstruktur und im Cockpit finden reichlich Teile Verwendung (z.B. auch für die sehr schön gemachten Bombenaufhängungen). Bei unserem Besuch bereitete dieser Bereich noch Schwierigkeiten, da die Aufhängung nicht über den zugehörigen Löchern in der Außenhaut lagen. Ob dies noch geändert worden ist, wird sich erst während des Baus zeigen damals war das noch unklar. Übrigens leigen die auf dem Titelbild gezeigten externen Aufhängungen für Bomben nicht bei



Die Resinteile sind hauptsächlich für den Motor, die einteilige Motorhaube und die Auspuffsammler bestimmt. Aber auch 4 Bomben für die interne Aufhängung und die Propellerblätter liegen bei.Die Fotoätzteile finden in der Mehrzahl im Innenraum Verwendung. Jedoch sind auch einige Filigranteile für die Außendetaillierung in diesem Bogen vorhanden.

Die Abziehbilder sind von Aviprint und scheinen versatzfrei gedruckt zu sein. Sie ermöglichen die Darstellung dreier Maschinen der 159. Staffel.Wahrscheinlich stammen diese aus dem Buch "Aeronautica Italiana Caccia & Assalto", das mir aber leider nicht zum Vergleich vorliegt. Die Bau- und Bemalungsanleitung liegt in typischer weise als A4 schwarz-weiß Faltblätter bei (also A5) und ist stellenweise etwas klein. Das alles gibt es auch noch mal auf der Website von MPM. Dort sind die Lackierungsschemata dann auch farbig vorhanden.

Bemalungen

Fazit: Wie das bei solchen Short-run Bausätzen immer so ist (und auch bei den meisten Großserienkits): die eierlegende Wollmilchsau, die es allen recht macht, gibt es nicht. Gerade in Tschechien und Italien wird es sicher (oder gibt es bereits) herbe Kritik am einen oder anderen Feature des Bausatzes und/oder Formabweichungen vom Original. Sicher wird es sich auch nicht wie ein Tamiya-Kit neuester Art bauen lassen. Andererseits sind die Alternativen nicht sehr reichlich und nach meinem Empfinden ist dies einer der gut gemachten Special Hobby Bausätze. Mir jedenfalls juckt es gewaltig in den Fingern, diesen gleich anzufangen leider habe ich noch einen recht heftigen Bau-Rückstand, so dass ich diesen Spaß erst mal verschieben muss.

Bezug: Erhältlich sind die Bausätze im gut sortierten Fachhandel oder für Händler bei Glow2b.

Steffen Arndt, Ettlingen (August 2010)