Antonow An-2

Valom - Multimediabausatz - 1/48

Vorbild: Die Antonow An-2 ist ein sowjetisches Mehrzweckflugzeug und mit einer Spannweite von 18,175 m der größte einmotorige Doppeldecker der Welt. Die An-2 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der UdSSR entwickelt und wird sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke bis heute genutzt. Aufgrund der Übermotorisierung mit 1000 PS sowie der günstigen Aerodynamik benötigt die AN-2 nur extrem kurze Start- und Landerollstrecken wie kaum ein anderes Flugzeug, das Fahrwerk erlaubt Landen und Starten auf allen für Flugzeuge geeigneten Flächen.

Die An-2 wurde vom damaligen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft in Auftrag gegeben. Sie war der erste motorisierte Entwurf des Konstrukteurs Oleg Antonow, der sich bis dahin mit dem Bau von Segel- und Jagdflugzeugen befasst und zu der Zeit gerade sein eigenes OKB eröffnet hatte. Der Prototyp der An-2 flog am 31. August 1947 erstmalig. Die Serienproduktion erfolgte im Flugzeugwerk Kiew. Sie lief bis etwa 1959 und umfasste etwa 5000 Maschinen.

Ab 1960 wurde die Fertigung aus der Sowjetunion nach Polen verlagert, wo bei PZL in Mielec unter der Bezeichnung WSK An-2 nochmals etwa 12.000 Stück entstanden. Die in Polen hergestellten An-2 sind an den Glasfiber-Verkleidungen für die beiden unter dem Rumpf angebrachten Antennen des Funkhöhenmessers sowie an den runden Einlassöffnungen für die Belüftungsanlage unter der oberen Tragfläche erkennbar. Ab der 60. Serie wurde die Spannweite des Höhenleitwerks von 6,6 m auf 7,2 m vergrößert. Die An-2 besaß unterschiedliche Luftschrauben. Waren diese anfangs noch sichelförmig, wurden dann gerade Holz- und in späteren Ausführungen Metallluftschrauben verwendet.

Auch in China begann ab 1957 als Fongsu-2 oder Yun-5 die Produktion der An-2. In Nanchang und Shijiazhuang wurden insgesamt 938 Flugzeuge produziert. Sie sind mit einem ASch-62IR-Lizenzmotor HS-5 ausgerüstet. Nordkorea kaufte 160 Stück. Es wurden bis 1992 etwa 18.000 An-2 gebaut. Zahlreiche Exemplare der An-2 sind auch heute noch in flugfähigem Zustand, gelten als allgemein sicher und führen auf Flugtagen Rundflüge für zahlende Passagiere durch.

Der Rumpf der An-2 ist in Ganzmetall-Halbschalenbauweise gefertigt und weist im Bereich der Kabine einen rechteckigen Querschnitt auf, der zum Bug und Heck hin oval ausläuft. Die Höhenruder des abgestrebten Normalleitwerkes sind mit Stoff bespannt.

Aufgrund der geringeren Spannweite der unteren Tragfläche von 14,24 m wird die An-2 auch als Anderthalbdecker bezeichnet. Die Tragflächen sind zweiholmig und von der Vorderkante bis zum ersten Holm mit Metall beplankt, ansonsten mit Leinenstoff bespannt. Sie sind durch einen Farbanstrich wasserfest imprägniert und bilden durch zwei senkrechte I-Streben und eine kreuzweise Doppelverspannung einen strukturellen Verbund. Beide Tragflächen verfügen als Auftriebshilfen über elektrisch bedienbare Landeklappen und automatische Vorflügel sowie um 20° absenkbare Querruder, die der An-2 sehr kurze Start- und Landerollstrecken von nur rund 150 bis 180 m ermöglichen.

Das nicht-einziehbare, robuste Breitspur-Fahrwerk ermöglicht den Einsatz von unbefestigten Pisten aus. Wahlweise kann es auch mit Schwimmern oder Kufen ausgerüstet werden. Der 736 kW (1000 PS) starke Sternmotor vom Typ ASch-62 IR mit einer Vierblatt-Verstellluftschraube vom Typ AW-2 verbraucht pro Stunde etwa 180 Liter Kraftstoff und zwei bis drei Liter Schmieröl. Der Kraftstoffvorrat beträgt maximal 1200 Liter und wird in insgesamt sechs Behältern in der oberen Tragfläche mitgeführt.
Quelle: Wikipedia Antonow An-2

Bausatz: Detlef Billig von der Fliegerrevue hat mir freundlicherweise einen seiner Besprechungsbausätze zur Verfügung gestellt. Da über die Fahrwerke etwas Unklarheit bestand, hat er die eigentlich diesem Bausatz beiliegenden Skifahrwerke entnommen, weshalb ich zu diesen nichts sagen kann.

Den bisher einzige Bausatz dieses Flugzeugtyps im Maßstab 1/48 gab es von NeOmega und dieser war sehr gut detailliert und auch nicht sooo teuer (als ich ihn erstmals gesehen hatte etwa 60GBP inzwischen 80GBP), allerdings ein Resinkit, was bekanntlich nicht jedermanns Sache ist. Nun haben Valom und Bilek Bausätze in 1/48 herausgebracht. In wieweit diese zusammenhängen kann ich leider nicht sagen, außerdem habe ich bereits Plagiatsvorwürfe bzgl. des Bausatzes von Bilek (zu NeOmega) gelesen, zu deren Substanz ich ebenfalls keine gesicherten Informationen habe.

Der neue Kit von Valom macht jedenfalls einen sehr guten Eindruck! Die verschiedenen Außenstrukturen sind gut dargestellt und auch die Grundform stimmt mit dem Original gut überein. Anfangs hatte der Bausatz eine falsche Cockpithaube, die aber zügig umkonstruiert und richtig nachgeliefert wurde. Aus der Not eine Tugend gemacht, hat Valom gerade eine "Racing-version" der Anna heraus gebracht. Dem Bausatz liegen 4 verschiedene Propellertypen bei, so dass grundsätzliche An-2 aus dem gesamten Einsatzzeitraum gebaut werden können.

Der Motor und der Innenraum sind ein wenig sparsamer detailliert, aber von NeOmega gibt es zumindest für den Bilek Kit schon einen "Motor-Cockpitsatz" mit dem man dann aber locker über den Preis des NeOmega-Bausatzes kommt --- suum cuique. Die wenigen Resinteile des Valomkits sind jedenfalls super und sind insgesamt völlig ausreichend. Die Anna wirkt ja bereits durch ihre Größe.

Die Decals sehen ganz ordentlich aus, liefern aber nur aktuelle internationale Bemalungen zweier russischer Flugzeuge. Mich persönlich würden eher historische Lufthansa, Interflug, GST usw. Bemalungen interessieren. Soweit ich weiß, ist da bei TOM/Peddinghaus und vielleicht auch bei HaHen was in Arbeit. Ebenfalls in Arbeit ist ein Satz von Bombshell Decals für heute fliegende Maschinen mit "Nose art" davon finde ich die deutsche "Anastasia" (siehe: hier) ganz interessant.

Bemalungsvarianten:

Fazit: Valoms Anna ist eine wirkliche Bereicherung des 48er Modellbaumarktes. Zahllose zivile und militärische Markierungsmöglichkeiten sollten wirklich jedem Modellbauer etwas Interessantes bieten. Die Qualität des Bausatzes ist in Ordnung, bietet aber auch viel Spielraum für weitere Ausstattung und Detaillierung. Die Öffnung der Seitentür bzw. -luke ist z.B. aus dem Kasten nicht vorgesehen, oder wie wäre es mit einem Umbau auf rechteckige Fenster für einige zivile Maschinen (z.B. Lufthansa der DDR).

Steffen Arndt, Ettlingen (November 2010)